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Licht und Schatten – Meine Schwangerschaft

Wer hat eigentlich die Regel aufgestellt, dass man erst nach der zwölften Schwangerschaftswoche verkünden darf, schwanger zu sein? Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was belastender war: die Übelkeit, das Erbrechen und der übermenschliche Geruchssinn – oder die Tatsache, das größte und schönste Geheimnis der Welt mit sich herumtragen zu müssen, ohne es zeigen zu dürfen.

Bei mir kam erschwerend noch hinzu, dass ich zwei Tage nach der frohen Kunde erfuhr, dass mein Opa verstorben war. Die Gefühlsachterbahn war hart. Und gleichzeitig versuchte ich, jedem Gefühl seinen Raum zu lassen – denn wenn ich eines aus der Vergangenheit gelernt habe, dann dass unterdrückte Gefühle sich irgendwann umso stärker zurückmelden.

Durch die zunehmende Geruchssensibilität und Übelkeit brach ich die Reha auf eigenen Wunsch ein paar Tage früher ab. Zurück zu Hause warteten die Beerdigung im Kreise der Familie – und der erste Arbeitstag.

An Bürotagen musste ich mich oft noch vor der Autofahrt übergeben. Das war mir aber ehrlich gesagt lieber als im Büro selbst. An Homeoffice-Tagen hielt ich manchmal nur durch, bis das Meeting vorbei war – um dann schnell zur Kloschüssel zu rennen. „Das hört nach der zwölften Woche auf“, hieß es. „Spätestens nach der sechzehnten.“ Am Ende arrangierte ich mich mit meinem Schicksal – und war wohl eine der wenigen, die auch im Kreißsaal noch kurz vor der Geburt die Kotztüte brauchten.

In der 27. Schwangerschaftswoche kam dann noch das Frühgeburtsrisiko hinzu. Ab diesem Punkt war ich bis zum Mutterschutz krankgeschrieben.

Mitten in all dem wurde ich regelmäßig gefragt: „Genießt du die Schwangerschaft?“

Ich sage es ehrlich: Was genau hätte ich daran genießen sollen?

Ich will damit nicht sagen, dass es keine schönen Momente gab. Aber Schwangerschaft ist nicht immer das rosarote Leuchten, das nach außen oft vermittelt wird. Sie kann gleichzeitig wundersam und brutal sein. Überwältigend und erschöpfend. Und beides darf wahr sein.

Was mich jedoch wirklich überrascht hat: Ich bin seit vielen Jahren übergewichtig. Und zum ersten Mal in meinem Leben war ich stolz auf meinen Bauch. Ich habe ihn gerne gezeigt. Ihn irgendwie gefeiert. Seitdem empfinde ich weniger Bodyshaming – weder von außen noch von mir selbst. Das war ein Geschenk, das ich nicht erwartet hatte.

Und noch eine kleine Randnotiz zum Schluss: Es war anstrengend, es war hart, es war manchmal zum Kotzen – im wahrsten Sinne des Wortes. Und trotzdem war es das Richtige. Durch die monatelange Übelkeit wiege ich nun nach der Geburt weniger als vorher. Die Schwangerschaftsdiät, die niemand empfehlen würde – aber hey, sie hat funktioniert. 😄

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