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Den perfekten Zeitpunkt gibt es nie

Ein Baby kann das Leben seiner Eltern ganz schön auf den Kopf stellen. Bei mir fing das schon mit der „Planung“ an.

Wann ist der richtige Zeitpunkt? Alle sagten: Den perfekten Zeitpunkt gibt es nie. Ja, okay. Aber es gibt vielleicht denkbar ungünstige – zum Beispiel mitten in der Ausbildung zur Physiklaborantin (2010–2013). Damals wollte ich noch möglichst jung Mama werden. Doch dann ging die damalige Beziehung auseinander. 2012 lernte ich Chris frisch kennen.

Gegen Ende der Ausbildung traf mich ein Satz meines Ausbilders wie ein Schlag: „Yvonne, hab gehört, du bleibst nicht hier. Wirst du stattdessen direkt schwanger?“ WOW! Als Frau hatte ich also genau zwei Alternativen: hierbleiben oder schwanger werden. Solche Sätze sagen bekanntlich mehr über den Absender als über den Adressaten. Und doch – irgendetwas in mir nahm diesen Satz zum Anlass, das Gegenteil zu beweisen.

Der neue Job an der Medizinischen Hochschule entpuppte sich jedoch noch nicht als mein Traumjob. Aus dem Familien- und Freundeskreis kam der Zuspruch, doch noch zu studieren. Warum meine Wahl ausgerechnet auf Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik fiel – ich weiß es bis heute nicht genau. Aber während des Studiums ein Kind kriegen? Schien kein guter Zeitpunkt. Direkt im ersten Job danach? Irgendwie auch nicht.

Dann kam der nächste Satz – wieder von einem Mann, noch als Werkstudent: „Ich würde keine Frauen einstellen. Die fallen ja eh aus, sobald sie schwanger sind.“ Und so wuchs langsam, fast unmerklich, ein Glaubenssatz in mir heran: Wenn ich jetzt schwanger werde, bestätige ich nur die Vorurteile. Ich darf (noch) nicht schwanger werden.

Die Jahre vergingen. Der Chef winkte mit einer angeblich geplanten Gehaltserhöhung – und da sich das Elterngeld aus den letzten zwölf Monaten berechnet, wollte ich ein Fuchs sein und noch warten. Der Hauskauf brachte Renovierungsarbeiten mit sich. Immer gab es noch etwas, das erst fertig sein musste.

Und dann schlug das Universum richtig zu: ein eskalierter Konflikt mit dem Chef, neun Monate krankgeschrieben, danach ein Neustart in einem neuen Job. Und wieder das schlechte Gewissen: Du kannst doch nicht direkt nach dem Einstieg schwanger werden.

Der Bewerbungsprozess zog sich hin. Die Reha war bewilligt. Und irgendwann gaben wir uns der einzigen wirklich wahren Aussage hin: Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt. Wenn das Universum den Moment für richtig hält – dann soll es so sein. Let It Flow. Go with the Flow.

Der neue Arbeitsvertrag war unterschrieben, der alte gekündigt, die Koffer gepackt – und ab nach Heiligendamm zur Reha. Nach ein, zwei Wochen dachte ich: Irgendwie bin ich überfällig. Vielleicht der emotionale Stress? Doch dann – ein Schwangerschaftstest bei der Reha-Schwester. Tatsächlich: Ich bin schwanger.

Freude und Scham zugleich. Es hatte geklappt – aber der Zeitpunkt? Denkbar ungünstig. Ich würde den neuen Job antreten und noch während der Probezeit in den Mutterschutz gehen.

Als die zwölfte Schwangerschaftswoche vorbei war, stand das Gespräch mit meinem neuen Chef an. Mir ging es schlecht – Schwangerschaftsübelkeit, schlechtes Gewissen und diese lähmende Scham, das alte Vorurteil zu befeuern. Doch seine Reaktion war alles andere als das, worauf ich mich innerlich eingestellt hatte. Sie war das genaue Gegenteil.

Danke für dieses Gespräch. Danke für die warmen Worte und dafür, dass du mir im August 2025 den Neustart ermöglicht hast, den ich gebraucht habe. Dieses Umfeld war genau das Richtige, um neues Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aufzubauen.


Ist es nicht merkwürdig, wie wir immer wieder mit unseren größten Ängsten konfrontiert werden – genau dann, wenn wir am wenigsten damit rechnen?

Und wie oft stellt sich am Ende heraus: Es war genau richtig so.

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