Lichtmoment #4 – Hüter des Lichts
Seit Ende August befinden sich wieder Spekulatius und Lebkuchen in den Supermarktregalen. Dies nehme ich zum Anlass und widme den neuen Beitrag im weitesten Sinne der Weihnachtszeit.
Konkret nutze ich den 2012 zur Weihnachtszeit erschienenen Kinofilm „Die Hüter des Lichts“ als Ausgangsimpuls. Ich mag den Film sehr, da er auf eine wunderschöne, bildhafte Weise die Themen Glaube und die Suche nach dem eigenen Innersten behandelt.
Ein riesiger Globus mit vielen einzelnen Lichtern symbolisiert die Kinder überall auf der Welt, die an ihrem Glauben – an den Weihnachtsmann, den Osterhasen, die Zahnfee und den Sandmann – festhalten. Eine Matroschka-Puppe des Weihnachtsmanns stellt darüber hinaus bildhaft die verschiedenen Schichten einer Persönlichkeit dar und insbesondere die kleinste Puppe im Innersten das Selbst. Ich liebe solche Bilder. Sie drücken so vieles aus, was man mit Worten allein nicht auszudrücken vermag.
In den letzten Wochen und Monaten haben sich die schlechten Nachrichten mal wieder überschlagen. Waldbrände, Erdrutsche und andere Naturkatastrophen auf der einen Seite. Rechtsradikale Hetze, politische (Fehl-)Entscheidungen und Konflikte auf der anderen Seite. Steigende Preise als Konsequenz aus beidem.
Ganz ehrlich: Auch mein Licht und mein Glaube an das Gute fangen dabei immer wieder an zu flackern und die Unsicherheit nagt an mir. Wie passend, dass genau dann meine Reminder-App mir ein Zitat von Buddha anzeigt:
„Sorgen lösen niemals die Probleme von Morgen. Sie rauben lediglich den Frieden im Heute.“
Ich merke, wie ich mir oft selbst einrede, dass ich machtlos bin. Und so sehr ich mir (Welt-)Frieden für uns alle wünsche, fühlt er sich im Moment doch so weit weg an.
Aber eine Sache kann ich beeinflussen: meinen inneren Frieden und damit meine innere Haltung.
Ich kann in meinem näheren Umfeld friedlich sein und zu einem Hüter des Lichts werden. Manchmal sind es liebe Worte, ein aufrichtiges Kompliment, eine nette Geste oder ein freundliches Lächeln. Es müssen keine großen Taten sein, die auch das Licht in jemand anderem wieder entfachen.
Während es einige Faktoren im Außen gibt, die versuchen, unser Licht zu dimmen oder gar auszulöschen, sind wir manchmal auch selbst diejenigen, die an uns zweifeln und unser „Licht unter den Scheffel stellen“.
- Bin ich gut genug?
- Was macht mich schon zu etwas Besonderem?
- Ich kann das nicht.
Eins dürfen wir uns alle klarmachen: In jedem von uns steckt ein einzigartiges Licht, welches wir uneingeschränkt leuchten lassen dürfen.
Und wie das für das menschliche Auge sichtbare Licht, ergeben die vielen Lichter zusammen ein breites, buntes Spektrum. Ich stelle mir gerne vor, dass sich die Farbe und Intensität des individuellen Lichts durch Persönlichkeitsentwicklung verändert. Wir justieren unsere Leuchtkraft. Und durch die Veränderung unseres Denkens und Handelns verändern wir unsere innewohnende Energie und damit die Wellenlänge unserer Farbe.
Das Bild der Matroschka-Puppe ist aber auch schön und gar nicht widersprüchlich: Jede einzelne unserer persönlichen Schichten leuchtet womöglich in einer anderen Farbe.
Während wir eine Schicht ablegen, fühlt es sich oft erst einmal dunkler an, bevor das neue Licht zum Vorschein kommt. Doch je mehr Schichten wir aus alten Überzeugungen, überholten Glaubenssätzen und fremden Erwartungen an uns ablegen, desto heller wird unser inneres Leuchten.
Vielleicht geht es bei Persönlichkeitsentwicklung also gar nicht darum, jemand anderes zu werden. Vielleicht geht es vielmehr darum, Schicht für Schicht zu entdecken, wer wir im Innersten bereits sind.
Ich wünsche mir von ganzem Herzen eine Welt, in der sich jede und jeder erlaubt, sein eigenes Licht leuchten zu lassen – in ihrer und seiner eigenen Farbe und mit ihrer und seiner vollen Leuchtkraft.