Mama sein – Mit Liebe geplant, mit Chaos serviert
Nach fünf Tagen Krankenhausaufenthalt nach der Geburt wurden wir entlassen – eigentlich wollte man uns sogar schon nach drei Tagen nach Hause schicken. Aber mit einem Frühchen und nach einem Kaiserschnitt durften wir noch zwei Tage länger bleiben.
Ich hatte neun Monate Zeit, mich auf ein Baby vorzubereiten. Trotzdem hätte mich nichts auf das vorbereiten können, was mich in den ersten Tagen und Wochen tatsächlich erwartete.
Zuhause angekommen wurde mir noch einmal bewusst, was es wirklich bedeutet, Mama zu sein. Es ist nicht einfach nur ein neuer Job von 9 bis 17 Uhr. Ab dem Moment der Geburt hatte ich eine 24/7-Rufbereitschaft – ohne Urlaub, ohne Feierabend, ohne Wochenende. Rund um die Uhr verantwortlich für einen kleinen Menschen.
Zu dieser enormen Verantwortung kamen der Schlafmangel, die Hormonumstellung, die körperliche Heilung nach dem Kaiserschnitt sowie die Herausforderungen rund ums Stillen. Dazu der eigene Anspruch, alles richtig machen zu wollen. Und während sich plötzlich alles um das Baby dreht – hat es genug geschlafen, genug gegessen, ist die Windel voll, hat es vielleicht Bauchweh? – vergisst man völlig, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Habe ich überhaupt etwas gegessen? Habe ich genug geschlafen? Wann habe ich eigentlich das letzte Mal geduscht?
Mitten in diesem Chaos der ersten Wochen und Monate wird man dann mit Glückwünschen überschüttet und hört Sätze wie: „Herzlichen Glückwunsch! Das ist die schönste Zeit eures Lebens. Genießt sie!“
Und ich stand jedes Mal da und dachte innerlich: Wie zur Hölle soll ich das genießen? Was daran ist so schön, dass ich es einfach nicht erkenne? Was stimmt nicht mit mir?
Für mich war das die größte Veränderung meines Lebens – mit den heftigsten Begleiterscheinungen. Ich litt unter dem schlimmsten Schlafmangel, den ich je erlebt habe. Es war die Zeit, in der wohl die wenigsten meiner Grundbedürfnisse erfüllt waren. Zeitweise fühlte es sich für mich wie die Hölle an.
Dass ich diese Zeit irgendwie geschafft habe, hat auch damit zu tun, dass ich vorher noch zur Reha konnte. Dort habe ich gelernt, meine Bedürfnisse und Gefühle auszusprechen, für mich selbst einzustehen und Hilfe anzunehmen. Das waren Erkenntnisse, ohne die ich das, glaube ich, nicht geschafft hätte. Und dafür bin ich unglaublich dankbar.
Und ja – nach ein paar Wochen, wenn man sich langsam eingespielt hat, wenn man wieder etwas mehr Schlaf bekommt und das kleine Wesen, das man zur Welt gebracht hat, wächst, die ersten Entwicklungsschritte macht, einen zum ersten Mal bewusst anlächelt oder sich an einen kuschelt, dann treten viele der Strapazen langsam in den Hintergrund.
Aber gerade die ersten Tage und Wochen waren für mich ein harter Kampf. Ein Durchhalten. Denn Aufgeben war keine Option.
Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich meine Erfahrungen immer sehr unmaskiert teile. Ich möchte damit auf keinen Fall abschrecken oder gar vom Kinderkriegen abraten. Mir ist nur wichtig zu zeigen, dass diese Zeit nicht für jede Mutter ausschließlich rosarot ist. Oft wird sie als die schönste Zeit überhaupt beschrieben – und sicherlich bringt sie unendlich viele wunderschöne Momente mit sich. Aber gleichzeitig kann sie einen körperlich und emotional an die eigenen Grenzen bringen.
Natürlich habe auch ich viel gekuschelt und die kleinen Momente voller Liebe genossen. Aber ich möchte mich nicht hinstellen und behaupten, mit Baby sei alles nur schön. Denn das entspricht nicht meiner Wahrheit. Stattdessen wird man auf eine Weise gefordert, auf die einen niemand wirklich vorbereiten kann.
Vielleicht empfinde ich vieles auch intensiver als andere Mamas. Durch meine Hochsensibilität und als Projektorin (Human Design) nehme ich vermutlich vieles stärker wahr und fühle intensiver. Aber das war für mich nie ein Grund, keine Kinder zu bekommen. Mama sein ist so oder so herausfordernd. Und obwohl ich wusste, dass es anstrengend werden würde, habe ich unterschätzt, wie sehr diese neue Rolle einen körperlich, emotional und mental fordert.
Man kann es sich vorher einfach nicht vorstellen. Erst wenn man mittendrin steckt, versteht man, was diese Zeit mit einem macht. Und sie spült auch unfassbar viele Gefühle an die Oberfläche: Ängste, Selbstzweifel und diese leisen Momente, in denen man sich fragt, ob man das wirklich schaffen kann.
Man kann.
Auch wenn es sich am Anfang überhaupt nicht so anfühlt.
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal von Herzen bei meiner Hebamme bedanken. Danke, dass du mir besonders in den ersten Tagen und Wochen immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden hast und mich – wenn es nötig war – wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hast. Deine liebevolle und herzliche Art, gepaart mit deiner Bodenständigkeit und deinen wirklich praxistauglichen Tipps, hat für mich einen riesigen Unterschied gemacht.
Ich hätte mir keine bessere Hebamme wünschen können. ♥